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Bericht von Tom und Shanti – Dez. 2021:

In der Corona-Zeit sind viele Menschen in Parbhani gestorben und an Covid19 erkrankt. Die Dunkelziffer wird die gemeldeten Todesfälle in Indien von knapp 500.000 lt. Experten weit übersteigen.

Unser Team vor Ort hat direkt Hilfe geleistet und die Frauen haben Masken und Schutzkleidung genäht. Alle unsere Mitarbeiter und Teilnehmer sind geimpft und der staatliche Impfprozess läuft. Die Schulen haben wieder gestartet und eine gewisse Normalität mit Masken und Corona-Maßnahmen hat sich eingestellt.

Bei unserem Projektbesuch im Dezember 2021 konnten wir feststellen, dass sich die Lebensverhältnisse im Armenviertel Shahunagar verbessert haben. Wir sind stolz, dass unsere Hilfe dazu beigetragen hat und wir Euch mitteilen zu können, dass wir das Armenviertel verlassen können. Die etablierten Frauenselbsthilfegruppen arbeiten autark. Die Frauen vergeben sich ihre Kredite selbstständig und zahlen monatlich einen Betrag von Ihrem jetzigen eigens verdienten Lebensunterhalt ein. Ein Shanti-Shop wurde ins Leben gerufen, in dem Sie die selbst angefertigten Handarbeiten, die selbst genähten Textilien wie Kleidung, Yogamatten oder Taschen verkaufen und Bestellungen entgegennehmen. Durch den besseren Lebensstandard und die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen können die Kinder zur Schule gehen. Die Workshops, die Arbeit vor Ort mit Frauen und Kindern haben ein Bewusstsein für ihre Rechte und Pflichten geschaffen. So wurde häusliche Gewalt und Kinderarbeit reduziert und das Viertel insgesamt sauberer. Behinderte und alte Menschen werden besser integriert. Haushalte haben durch Spenden wie Ziegen, Geflügel etc. zusätzliche Einnahmequellen.

Wir konzentrieren uns weiterhin auf die beiden Rotlichtviertel, auch wenn wir durchaus viele Erfolge feststellten: viele Frauen, die selbstständig arbeiten und viele Kinder, die zur Schule gehen. Allerdings sehen wir hier noch Bedarf, um die Kinder vor dem Verkauf und der Kinderheirat zu schützen. Durch die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Ausbildungscenter von Pratham möchten wir Mädchen aus dem Rotlichtmilieu in das ca. 240 km entfernte Ausbildungscenter in Aurangabad schicken, um dort unbefangen -ohne den Stempel der Prostitution- eine Ausbildung absolvieren zu können. Hier ein kleiner Eindruck, den wir bei unserem Besuch bekommen haben.

Das andere Rotlichtviertel werden wir unterstützen, insbesondere mit dem Ziel einen staatlichen Kindergarten einzurichten. Die Frauen wünschen sich von uns Essen, Geld und Kinderbetreuung. Wir haben erklärt, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe leisten wollen und unterstützen in allen Belangen. In vielen Fällen leisten wir direkte Hilfe zur Existenzsicherung, allerdings konnten wir durch ständigen Wechsel der Frauen noch nicht das Bewusstsein oder eine Struktur zur Selbsthilfe schaffen. Daran wollen wir weiter arbeiten.

Die Communities in den drei Dörfern, die wir unterstützen, haben uns einerseits begeistert andererseits aber auch betroffen gemacht. Die Gespräche mit den Frauen und Kindern waren sehr ernüchternd. Denn es gibt Kinder, die unterernährt sind und nicht zur Schule gehen und Frauen, die nicht lesen können. Sie sind teils nur 3 Jahre zur Schule gegangen, und es ist für sie normal, dass Männer Alkoholiker sind und zuschlagen.

Wir wollen unsere Hilfe auf die Ärmsten Dorfbewohnen fokussieren. Sie wohnen am Rande oder außerhalb des Dorfes und besitzen kein Land. Dies müssen sie pachten oder als Tagelöhner das Land anderer bestellen.

Deswegen haben wir eine ausgewählte Gruppe von Bauern im Bio-Anbau geschult und Saatgut gespendet. Die Bauern zeigten uns sehr stolz ihre Fortschritte, ihre Felder, Pflanzen, Kompost, Setzlinge usw. Sie sagen, dass sie einen höheren Preis für das gesündere, schmackhaftere natürlich angebaute Obst und Gemüse erhalten, das im Dorf oder im nahen Umland gefragt sei. Wir wollen erreichen, dass die Gruppe von 10 Bauern pro Dorf weiterhin geschult wird, damit diese wiederum andere Bauern schulen und begleiten, um das nötige Bewusstsein zu verbreiten.

COVID19 in Parbhani:

Mentor of project SHANTI Sarang Salvi describes the situation in Parbhani:

https://youtu.be/sKTUCEMQDjI

Versorgung von Familien mit Lebensmitteln:

Reisebericht Shanti und Tom Dezember 2019:

Wir fuhren Anfang Dezember nach Indien mit dem Ziel, mit den Projektpartnern zu sprechen und uns einen Eindruck von der Arbeit vor Ort und den Fortschritten zu machen. Unsere erste Station war Terre des Hommes (TdH) in Pune. TdH führt für uns die fachliche Aufsicht (Monitoring und Controlling) über die Projektarbeit vor Ort aus und berät bzw. coacht die Sozialarbeiter/innen in Parbhani. Ingrid, die Leiterin von TdH (Foto: 1. von rechts) berichtete uns über die offene und konstruktive Zusammenarbeit des vergangenen Jahres mit allen Projektbeteiligten. Die Schwerpunkte unserer „Hilfe zur Selbsthilfe“ lag in der Bildung und Unterstützung von Frauengruppen im Armenviertel und im Rotlichtviertel, in der Durchführung von Kursen, insbesondere Näharbeiten, Trainings und Workshops, z. B. zu Frauen- und Kinderrechten („Child welfare committee“)  oder Umwelt- und Hygienethemen. Daneben finden individuelle Beratungen und Einzelfallhilfe im Krankenhaus (social hospital) von Parbhani statt. Sampat und Chandan sind die verantwortlichen Projektleiter/Sachbearbeiter bei TDH für Project SHANTI (2. und 1. v. l.).

Mit ihnen haben wir in einer halbtägigen Sitzung die Projektschwerpunkte festgelegt und einen Budgetplan für die nächsten zwei Jahre entworfen. Dessen Umfang wird für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 insgesamt  62.000 EUR betragen. Zur Vereinfachung der Abrechnungsmodalitäten haben wir beschlossen, das Haushaltsjahr mit den Projektpartnern zu harmonisieren und zukünftig auf den jeweils 1. April legen. Das jetzige Budget kann aufgrund von Wechselkursgewinnen und Einsparungen problemlos bis einschließlich März 2020 gestreckt werden.  

 

Chandan begleitete uns im Nachtzug nach Parbhani. Im Projekt wurden wir sehr herzlich empfangen.

https://project-shanti.de/blog/2019/12/17/herzlicher-empfang-im-projekt/

 

Hier wurde mit allen Beteiligten der vorbereitete Budgetplan und alle Maßnahmen ausführlich besprochen. Dem Beschluss hierzu gingen angeregte Diskussionen mit allen Partnern über mehrere Stunden voraus. Von den Erfolgen unserer Projektarbeit konnten wir uns mit eigenen Augen überzeugen. Einige Frauen haben sich mit einer Dienstleistung selbstständig gemacht. Darüber hinaus gibt es regelmäßige kleinere Fertigungsaufträge für Näh- und Handwerksarbeiten, die ein wichtiges Zusatzeinkommen für die Familie bedeuten.

https://project-shanti.de/blog/2019/12/16/hilfe-zur-selbsthilfe-selbststandigkeit-der-frauengruppe/

 

Es folgten ein Besuch im Krankenhaus und ein „Empfang“ bei dessen Leiter, der unsere Beratungsarbeit auf der gynäkologischen Abteilung/Geburtenstation unterstützt. Diese Arbeit werden wir fortführen. Aufgrund der hohen Anzahl von hilfsbedürftigen Mädchen und Frauen werden wir unsere Rahmenbedingungen und Maßnahmen genauer definieren bzw. eingrenzen müssen. Auf unseren Wunsch hin konnten wir ebenfalls einen Gesprächstermin mit dem örtlichen „Polizeipräsidenten“ und seinem Vertreter („SP“) arrangieren. Diese waren sehr an unserer Projektarbeit interessiert und stellten den Kontakt mit der für das Rotlichtviertel zuständige „Bezirksbeamtin“ her. Wir sind überzeugt, dass sich das persönliche Kennenlernen für eine abgestimmte Beratungstätigkeit im Zusammenhang mit der Erstattung von Anzeigen, z. B. wegen Körperverletzungsdelikten oder Misshandlungen, als hilfreich herausstellen wird.

https://project-shanti.de/blog/2019/12/26/besuch-polizei-parbhani/

 

Einen weiteren Tag vor Ort verbrachten wir mit den Besuch von drei Dörfern, die eng beisammen und in der Nähe der Stadt Parbhani liegen. Nach sehr guten einschlägigen Erfahrungen von TdH möchten wir unsere Hilfe zur Selbsthilfe auf diese ausweiten, um die Ursachen für Landflucht und damit für zunehmende Verslumung der Städte entgegenzuwirken. Nach intensiven Gesprächen mit den Projektleitern und den örtlichen Bauern sind wir nun überzeugt, dass wir mit diesen erfolgreich zusammenarbeiten können. Hierzu werden wir in jedem Dorf einen einheimischen Mitarbeiter mit entsprechender Vorbildung einsetzen, um unter Einbindung staatlicher Strukturen und Fördermittel, behutsame Maßnahmen zur Förderung kleinstbäuerlichen Betriebe und Kooperationen einzuleiten. Wir wollen die Wertschöpfung der Arbeit der Bauern erhöhen, um deren Selbständigkeit zu erhalten bzw. zu schaffen. Hierzu wollen wir deren Kompetenzen zur effektiven Nutzung lokaler Ressourcen erhöhen und die Abhängigkeiten von Pharmaunternehmen (Düngemitteln, gentechnisches Saatgut) und ausbeuterischen Zwischenhändlern verringern. Es ist also das Ziel, eine nachhaltige Existenzgrundlage zu schaffen unter Beachtung von Ökologie und Ökonomie, um die Lebensverhältnisse in den Dörfern zu verbessern.

https://project-shanti.de/blog/2019/12/17/planung-20202021-unterstutzung-bauern-im-bioanbau/